![]()
Mittwoch - 06.06.2001
Begeistert – Mit[ten unter] ihnen ...!
Der Mai ist vorbei. Neue Herausforderungen und neue Bilder warten auf Sie. Mitten unter ihnen sitzt sie: Maria. Die Mutter Jesu. Und betet mit ihnen, den Übriggebliebenen, dem letzten Rest der Anhängerschar. Irgendwie scheint erst durch sie das Ganze wieder ein Kreis zu werden. Eine Einheit. Gemeinschaft. Entsteht Zusammenhalt und Solidarität. Ein verschworener Haufen von Träumern. Oder mehr? Noch haben sie Angst. Und versuchen zu beten. Damit umzugehen.
Draußen ist die Welt. Die Wirklichkeit. Und die ist gar nicht schön. Gefährlich und wenig einladend. Denn Jesus ist tot. Ermordet, mit einem lauten Schrei am Kreuz gestorben. Begraben. Das wars wohl. Er schreckt sie nicht mehr auf. Er irritiert sie nicht mehr. Fordert nicht mehr.
Die Jünger aber beten. Um die Kraft zum Weitermachen. Um neuen Mut. Um die Sprache der Begeisterung. Dabei haben sie selbst mächtig Angst. Wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Was sie unternehmen können. Sind orientierungs- und mutlos.
Auch heute halten die Menschen hinter den Masken der oberflächlichen Fröhlichkeit und Betriebsamkeit manche Ängste verborgen. Entpuppen sich als mutlos, depressiv und verwirrt. Lauwarm. Und sind sehr oft auch hilflos.
Bei den Jesusfreunden ist auch keine Rede von Auferstehung. Keine gemeinsame Sprache des Lebens, des Friedens. Der Liebe zum Leben. Von Erinnerung und Verkündigung. Vom Nachfolgen. Versperrt sind Tür und Tor.
Plötzlich aber passiert es. Unerwartet. Nach Tagen oder Wochen des Zweifels. Der Ungeist weicht der Entschiedenheit. Es geschieht Ungeheuerliches, Weltbewegendes. Zweifel werden hinweggespült. Ein Aufatmen geht durch die Runde. Sie wissen endlich, was sie wollen. Was sie tun müssen.
Und sie stehen auf und gehen hinaus. Sie öffnen die Türen und Fenster, entriegeln sich selbst. Lassen den frischen Wind der Zuversicht wehen. Den Heiligen Geist. Das werden sie erst später erkennen. Sie werden nach Bildern suchen, Bilder für das Unbeschreibliche. Für das, was passiert ist, für das unbeschreibbar Schöne. Sie werden zu den Menschen gehen und ihnen von Jesus, dem Auferweckten berichten. Und von dem neuen Geist, der sie erfüllt.
Maria ist mit ihnen. Mitten unter ihnen. Begeistert und erfüllt von Hoffnung. Schließt den Kreis, leiht den Frauen eine Stimme. Ihre Stimme.
Pfingsten und Maria?
Begeistert – Mit[ten unter] ihnen ...!
Sehen Sie das auch so?
Welches Pfingstbild fasziniert Sie eigentlich? Warum?
Donnerstag - 07.06.2001
damals
damals
im pfingstsaal zu jerusalem
gabst du den schwachen trost
und mut den zweifelnden –
du hattest nichts mehr zu verlieren
dein sohn war tot –
und doch war in dir
eine glaubenskraft
und hoffnungssehnsucht
aus der die liebe
aufsprang in den neuen morgen
und alle in dem saal ergriff –
die geistesflamme
liebesglut
die dich umgibt
springt über auf die anderen
und lässt das haus erstrahlen –
da öffnen türen sich von selbst
und herzen jubeln laut
die neue botschaft weit hinaus
bis hin zu mir
maria
dein sohn
ER lebt!
Eva Maria Leiber
Freitag - 08.06.2001
Maria, Mutter der Kirche
„Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern. ... Alle wurden mit Heiligem Geist erfüllt und begannen in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“ (Ausschnitt aus der Apostelgeschichte, aus dem ersten und 2. Kapitel)
Vollkommenes Schweigen umfängt das Leben Mariens nach dieser letzten biblischen Nachricht.
Auf unserem Bild sitzt Maria riesengroß inmitten der ersten Jünger, die mit ihr in einmütigem Gebet ausharren, um für ihre Sendung die Kraft des Heiligen Geistes zu empfangen. Dieses Bild der „Mutter“ wird sich bleibend den Generationen von Betern einprägen, lobpreisend und sehnsüchtig, als gelte es, das Ursprungsbild vom Beginn ihrer Berufung, als sie Mutter Jesu wurde, noch einmal überdimensional in Erinnerung zu rufen. Maria, die Mitte, die Mutter.
War es angeblich der Auftrag der Apostel hinauszugehen, bis an die Grenzen der Erde und Zeugen von Jesu Leben und Auferweckung zu sein, durch ihr Wort und ihr Leben, so scheint es Maria Sendung zu sein, in der geheimnisvollen Mitte der Kirche ihre Erfüllung zu finden. Sie sitzt nicht mehr am Rande. Sie behauptet sich. Das will dieses Bild eindrucksvoll erzählen.
Aber ist das die Wirklichkeit? Gewesen und heute?
War Maria und mit ihr die vielen Frauen in der Gemeinschaft der Jesusfreunde nicht allzuschnell festgelegt auf das Bild der im Gebet verharrenden Mutter (der Kirche), geduldig empfangend und bewahrend, „Vor-Bild“ für die demütigen Frauen?
Zu lange haben Frauen in der Kirche geschwiegen. Geduldig und mütterlich nachsichtig. Vielleicht sollten sie dieses Bild ernstnehmen und sagen: Wir wollen mit euch, den Brüdern und Männern Kirche sein, geschwisterlich und gleichberechtigt, nicht über oder unter euch, sondern mit euch!
Die Miniatur aus dem Psalter von St. Alban bei London regt zu neuen Gedanken an. Maria als Mitte.
Mit den Suchenden und Zeugen.
Samstag - 09.06.2001
Maria, du leuchtest!
„Maria im Kreis der Freunde Jesu bezeugt ein tiefes Verstehen und eine sprachlose Übereinkunft, sozusagen eine feurige Erkenntnis!“
Der im Türwinkel hockte,
gewahrte zuerst
das Flammengold
über den Scheiteln
der Brüder.
Zögernd griff er
nach seinem Haar
und ergriff nichts.
Er dachte:
Immer noch bin ich allein,
was soll sich auch
ereignen an mir?
Aber dann trat einer
von den Beschenkten zu ihm
und sagte: Du leuchtest!
Alle lauschten sie noch
dem Sturm nach,
der trotz
der verschlossenen Türen
über sie hinfuhr und schwand.
Auch die feurigen Zungen
würden erlöschen,
dann wären sie wieder
sie selbst
und voll Bangnis.
Gut, dass die Frau
unter ihnen saß,
sie, die wusste,
wie eines zurückbleibt.
Juliane Windhager
(aus der ehemaligen Zeitschrift ZEICHEN)
Sonntag - 10.06.2001
Die Ruach Gottes
„Die Ruach Gottes schwebte über den Wassern!“ (Gen 1,2)
Drei in einer Gestalt. Wie von einem weißen Mantel umhüllt, erscheint die Gestalt Gottes. Der dreifaltige Gott. Das Kirchlein von Urschalling, ein Weiler am Chiemsee, ist ein kunsthistorisches Prachtstück. Es birgt ein einzigartiges Fresko: Da wachsen drei Figuren aus einem einzigen „Stamm", so wie eine Blüte sich entfaltet. Der weiße Umhang verstärkt das Bild einer einzigen sich öffnenden Knospe. Obwohl jeder Kopf einen Strahlenkranz trägt, zeigt jeder dieser Nimben, dass er ohne die anderen unvollkommen wäre: Jeder der drei Strahlenkränze hat nur einen Hauptstrahl, nur gemeinsam und „ineinandergeschoben" bilden die Hauptstrahlen ein Kreuz. Die rechte Person trägt die Gesichtszüge eines weisen Alten, die linke stellt einen Mann in seiner Jugendkraft dar, die mittlere Figur trägt eindeutig weibliche Züge – und mit je einer Hand halten die beiden Männer die mittlere Gestalt, verweisen auf sie. Spontan kommt mir da der Salz aus dem Großen Glaubensbekenntnis in den Sinn: „Wir glauben an den heiligen Geist, der ... aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht..."
Im Ersten Testament hat der „Geist", der zu Beginn der Schöpfung über der Urflut schwebt, weiblichen Charakter. Die „ruach" belebt und ordnet alles.
Der unbekannte Künstler des Freskos von Urschalling setzt alles daran, die Mitte unseres Glaubens, dass Gott „dreifaltig" und in seinem Wesen Gemeinschaft ist, zum Ausdruck zu bringen: Die Drei wachsen nicht nur ans einem Stamm, sie haben sichtlich Freude aneinander. P. Hans Brunner schreibt in einer Betrachtung dieses Bildes:
„Gemeinschaft in Verschiedenheit, gegenseitige Wertschätzung und Liebe sprechen aus dem Bild. Welche Wohltat, ein solches Bild vollen Leben als „Vor-Bild" für die Kirche zu haben! Das Bild ist nicht ans der Luft gegriffen, es gründet im Evangelium: Jesus lebt die Einheit mit dem Vater, daraus entwickelt er Kraft, sie ist ihm Orientierung. Er bezeugt durch sein Leben, dass der Vater weise ist und Freude hat an seinen Geschöpfen und wie eine Mutter darunter leidet, wenn sie geknechtet werden. Er sagt seinen Schülern zu, sie nicht als Waisen zurückzulassen, sondern einen „Tröster", einen „Beistand" zu senden. Beide Worte enthalten so viel weiblich-mütterliche Kraft! Welch eine Wohltat, wenn die Weisheit des Alters, die volle Lebenskraft und die Phantasie der Liebe in einem Wesen zur Entfaltung kommen! Welch eine Wohltat, an diesen Gott des Lebens glauben zu dürfen.“
Tatsächlich, welch eine Wohltat, an einen solchen Gott des Lebens und der Liebe glauben zu dürfen!
Montag - 11.06.2001
Teamsitzung?
„Die Ruach Gottes schwebte über den Wassern!“ (Gen 1,2)
Und wieder ein Pfingstbild. Die Jünger sitzen mit Maria an einem Tisch. So sieht es zumindest aus. Der Heilige Geist kommt auf sie herab. In ihre Mitte. Fast wie bei einer Teamsitzung. In der Schule, in der Pfarre.
Ein weißer Kreis liegt auf dem „Tisch“.
Ist es ein Zeichen für Brot? Für das gemeinsame, das gemeinsam empfangene Brot? Für Eucharistie?
Sicher ein deutlicher Hinweis, dass Gemeinschaft nicht nur im Hören des Wortes, sondern auch im Essen des Brotes passiert. Besonders auffällig und faszinierend: Der Heilige Geist in Gestalt der Taube am oberen Bildrand hält in seinem Schnabel eine weiße Scheibe. Und es sieht fast so aus, als wolle er sie in den Tisch einfügen. Der fehlende Teil? Das Puzzlestück, das für „die Kirche“ noch gefehlt hat, immer noch fehlt?
Pfingsten und Maria. Auch sie sitzt am Tisch. Links oben, und mit ihr schließt sich der Kreis. Ein wunderbares Bild. Verbunden mit der weißen Scheibe, der gemeinsamen Mitte am Tisch. So sitzen sie da. Teamsitzung des Heiligen Geistes.
Miteinander auf Gott hören und Brot essen. Sich immer wieder an Jesus erinnern. Nicht nur bei „symbolisch“ gemeinten Treffen, sondern ganzheitlich, sinnlich. Brot für die Welt.
Mich hat das Bild immer sehr stark an eine Firmgruppe erinnert. Und ich habe es auch bei unserem Firmkurs mithereingenommen. Denn auch heute ereignet sich Pfingsten. Wenn junge Menschen zusammensitzen und miteinander über Gott und die Welt, Jesus und ihre Hoffnung oder Skepsis auf Auferstehung und über den Geist und seine Gestalt in der heutigen Zeit nachdenken, dann geschieht das oft unter solchen Bedingungen. Teamsitzung. Treffen bei Brot und mutigen ehrlichen Worten.
Und von einem bin ich zutiefst überzeugt: Unsere jungen Leute sind wie die Jümger damals unterwegs. Sicherlich in Seinem Geist. Wie damals vor 2000 Jahren. Und sie lassen sich beschenken und erfüllen, wie damals. Mit Maria.
Die Einträge von vergangenen Tagen können unter "Kalender" abgerufen werden.
Idee und Konzept © 2004 Helmut Loder. Alle Rechte vorbehalten.
Hosted by LoderNet.com. Design by disillusiondesign.com.