Im heutigen Schau-Fenster finden wir das Werk eines unbekannten Schnitzers aus Tirol. Elbigenalp. Im Lechtal. In Elbigenalp gibt es eine Schnitzschule. Dort lernt man professionell schnitzen. Und vergolden, restaurieren. Alles mögliche. Traditionell oder zeitgenössisch modern. Den Christus mit den verkrümmten Beinen am Kreuz und die Madonna. Viele Statuen wurden aus Holz geschnitzt. Kunstvoll. Mit viel Liebe zum Detail. Und unterschiedlichsten Ergebnissen.
In unserem Fall: Eine Mutter mit Kind. Sitzend. Mit Schleier beziehungsweise Kopftuch. Das Kind liegt in einer Mulde. Nahe dem Herzen. Hört den Herzschlag der Mutter. Weiß sich geborgen und sicher. Maria und Jesus.
Maria sitzt breit und schwer da. Verbunden mit dem Boden. Wie ein Fels in der Brandung. Die Oberfläche ist nicht glatt poliert. Man sieht die Handarbeit. Maria schützt ihren Sohn mit ihrem Körper. Sie hält ihn ganz fest. Nichts kann ihm jetzt etwas anhaben. Kein Luftzug, kein Sturm. Er liegt da, kaum zu sehen, angedeutet nur, wie am Eingang einer Höhle. Maria beugt sich nach vor. Wahrscheinlich schaut sie ihren Jesus an. Immer wieder von neuem. Kann sich nicht satt sehen an ihm. An diesem kleinen Bündel Mensch.
Noch liegt er im Schoß seiner Mutter. Neu geboren. Gerade in die Welt getreten. Schmiegt sich in die Wärme ihrer Liebe. Das weiche Licht der Sonne ruht auf der Figur. Maria ist aus gutem Holz geschnitzt. Ein paar Jahre noch, viele Überraschungen später, und er wird wieder in ihrem Schoß liegen.
Verkrümmt und blutig geschlagen. Keine Spur mehr vom rosigen Kind. Maria ist aus gutem Holz geschnitzt. Wie viele Mütter dieser Erde. An ihrem Herzen lässt es sich aushalten. Unter ihrem Schutz und „Schirm“ …
Aus gutem Holz geschnitzt. Mutter und Kind.
Maria und Jesus. Aus Tirol, Elbigenalp.
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Helmut Loder
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