Ich bin ein großer Bewunderer der Kunst Werner Bergs. Seine kargen, melancholisch gestimmten, total reduzierten Bilder faszinieren mich, seit ich sie zum ersten Mal gesehen habe. Sie strahlen große Geborgenheit aus, berichten von einem ungeheuren Vertrauen. Ins Leben.
Ein Künstler hat die Welt gefunden, in der er sich zu Hause fühlt. Bei den Menschen, mit denen er arbeitet. Hart arbeitet, die er liebt. Seine Bilder, an die 1300 Gemälde und über 500 Holzschnitte, sind großartige Dokumente einer Welt und Zeit, die wir uns heute nicht mehr vorstellen können. Er hat beobachtet, was sie tun, wie sie feiern oder traurig sind. Und was sie glauben.
Die Abbildung zeigt einen Holzschnitt, ein Marienbildnis. Aber es ist nicht ein Bild der Madonna. Genau genommen ist es das Bild eines Bildes. Denn es zeigt die Muttergottes, wie sie in der Eisenkappler Kirche Maria Dorn dargestellt ist.
Die Arbeiten Werner Bergs bleiben zuweilen auf dieser eigenartigen Distanz: Nicht Maria mit dem Kind, sondern ein Bild Mariens mit dem Kind wird abgebildet. 1954 schuf er diesen Holzschnitt. Auffällig die beiden dunklen, eigentlich unpassenden „Kronen“ und die schwarzen Wangen Jesu. Und das Szepter? Nicht aus Gold, eher ein Zweig, eine Gerte. Ein Bild in der Manier einer Kinderzeichnung. Ironisch gebrochen das Motiv der Königin.
Warum geht Werner Berg auf Distanz? Wollte er nur den naiven Volksglauben notieren ohne den eigenen Glauben oder Nichtglauben preiszugeben? Volkskundemuseum statt Bekenntnis? Eine Distanz, die das eigene Bekenntnis verschleiert und nur kühl-sachlich das Bekenntnis der anderen dokumentiert?
Auf anderen Werken des Künstlers zeigt sich dieser Widerschein der Gnade auf dem Antlitz von betenden Menschen. Wir können Gott nicht schauen, aber wir sehen seinen Widerglanz in den Augen, in der Haltung, im Leben von Menschen, die vom Glauben beseelt sind. Nicht die neutrale Distanz eines Volkskundlers ist gefragt, sondern eine tiefe und scheue Ehrfurcht und Demut.
Werner Berg möchte die Sprache des Glaubens nicht selbst neu erfinden und ihm einen neuen kunstvollen Ausdruck geben. Er will nicht hervorragen, sondern sich einreihen und mitglauben und mitbeten. Werner Berg buchstabiert sein Bekenntnis aus der Begegnung mit dem Glauben seiner Mitmenschen. Wie er auf ihren Jahrmärkten, im Zug, im Omnibus war und skizzierte, so kniete er auch mit ihnen in der Kirche vor geheimnisvollen Bildern. Vielleicht vor Maria?
Übrigens: Der Künstler Werner Berg stammte aus dem Rheinland. Er hat dort Staatswissenschaften studiert, wandte sich bald der Kunst zu, suchte ein „alternatives" Leben, das er in Kärnten auf dem Rutarhof bei Stein im Jauntal fand. Seine Porträts der einfachen Menschen sind ausdrucksstarke Zeugnisse seiner Vertrautheit mit ihrem Schicksal.
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Helmut Loder
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