Tanzende Maria. Betitelt Max Rüedi sein Marien Bild. Ein buntes Bild in vielen grellen Farben. Wie eine Kinderzeichnung sieht sie aus. Die Formen einfach, die Farben plakativ. Beherrschend auf den ersten Blick: ein himmelblauer Kreis. Er füllt das Bild. Geht bis an den Rand. Ich denke an die Erde. An Wasser. Der blaue Planet. An eine Kristallkugel. An die berühmt-berüchtigten Schneekugeln. In den Souvenirständen der Marienwallfahrtsorte. Kirche inbegriffen.
Und darin eingeschrieben, eingeschlossen, wie in Glas gegossen, ein junges Mädchen. Eine junge Frau. Die Hände weit ausgebreitet. Als wollte sie die Welt umarmen. Willkommen hier bei mir. Als stünde sie im Schweinwerferlicht, im blauen Lichterschein der Aufmerksamkeit. In einem roten Kleid steht sie vor uns.
Unter ihren Füßen, eine Sichel. Wie bei alten Statuen. Der Mond? Eine Anspielung, ein Zeichen? Für das Geerdetsein der jungen Frau Maria? Ich weiß es nicht. Mit gelben Händen und Gesicht schaukelt sie im blauen Kreis. Surft durch den roten Hintergrund.
Auffällig ist, das Mädchen hat kein Gesicht. Nicht Aug und Mund und keine Nase. Ein blinder gelber Fleck. Wo sonst das Lächeln wohnt. Was will der Maler uns erzählen? Dass wir nicht wissen, wie sie aussah? Dass wir ein eignes Bild entwerfen dürfen?
Maria tanzt. Und trägt ein Kind in ihrem Leib. Im Zentrum dieses Bildes ist das Kind. Der Frau, die wir Maria nennen. In einem Kreis. Der Mittelpunkt. Maria hält das Gleichgewicht. Sie scheint zu sagen: Herr, ich bin bereit.
Wilhelm Bruners hat in einem seiner Texte so wundervoll über Mirjam von Nazareth (die späte Schwester der Pauken-Mirjam) geschrieben: „Sie tanzt los, läuft, /springt zu ihrer Verwandten Elisabeth./Tanzt mit dem Leben im Bauch, /hat das Leben im Leib. /Hat dich mit Leib und Seele …/Du Gott der unmöglichen Dinge,/ gib uns den Mirjam-Mut“
Ich glaube fest: Maria hat getanzt. Mit dem Leben im Bauch, mit der Freude im Herzen. Manchmal. Mit offenen Armen. Und dass ihr Kind gespürt hat: Ich bin willkommen. Unter den Menschen. Tanzende Maria, stecke uns an mit deiner Freude!
(Die Abbildung stammt aus dem Gemeindezettel zum Bußgottesdienst „Magnifikat“ des Deutschen Liturgischen Institutes)
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Helmut Loder
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