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marienkalender 2004: und maria trat aus ihren bildern.
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16. Mai: Mutter in Verzweiflung – Die Pieta (der Leechkirche)

 
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Beide sind eher unscheinbar. Unspektakulär. Fast unsichtbar. Die kleine und älteste Kirche von Graz, Maria am Leech und das gotische Fresko mit der Darstellung einer Pieta. Die Leechkirche selbst ist ein Juwel. Gebaute Stadtgeschichte. Ein frühgotischer Sakralbau mit reicher Vergangenheit. Ein Symbol der Glaubenskraft über 700 Jahre hinweg. Gut versteckt hat sie die Zeiten überdauert.

Schon am Eingang erwartet Maria den Besucher. Mit ihrem Sohn am Arm sitzt sie im Sandstein-Tympanon über den Köpfen der Eintretenden. Lächelt vielsagend und freundlich vor sich hin. Die Mutter des Herrn grüßt herzlich.

Im Inneren der Kirche ist es überraschend still. Draußen dröhnt eine der meist befahrenen Durchzugsstraßen vorbei. Davon ist hier drinnen nichts zu hören. Es ist eine eigene Welt. Der Lärm bleibt draußen. Konzentration. Beruhigung heißt das Motto. Von den hohen weißen Fenstern fällt das Licht auf einen ungewöhnlichen, sinnlich ansprechenden Altartisch von Karl Prantl. Und in der Ecke, rechts, im Bereich der ehemaligen Sessio-Nische, fand man bei der Restaurierung vor einigen Jahren eine Pieta. Bestens geschützt. Eine Ziegelmauer und eine Grabplatte verbargen die Kostbarkeit.

Es ist ein besonderes Juwel. Ein Vesperbild. Maria sitzt auf einem Thronsessel, den Leichnam ihres toten Sohnes in den Armen. Gefasst, fast zärtlich blickt sie ihn an. Er schläft. Die Augen sind geschlossen. Sein Leiden ist vorbei. Maria hält seinen Kopf, und seinen Arm.

„Als Pieta ist Maria ein Symbol für die Sterbenden, Schwachen, Gequälten und Leidenden. Als Mutter des Gekreuzigten versinnbildlicht sie den tiefen, tragenden Grund: Dies ist die Mutter, deren Leben gewährende und Leben erhaltende Fürsorge und Zuwendung, deren Schutz und Geborgenheit niemals verloren geht und noch im Tode tragen und trösten. Alle Erfahrungen des Aufgefangenseins und der Heimkehr finden ihren Ausdruck im Symbol dieser Mutter“ (Georg Baudler).

Zu allen Zeiten haben Künstler nach einem Ausdruck gesucht, diesen Moment der letzten Begegnung einer Mutter mit dem toten Sohn in ein Bild, in eine Statue zu bringen. Wenn die Tränen versiegt sind, wenn der Tod endgültig ist, wie sieht das aus? In der Leechkirche ist kein Platz für den namenlosen Schmerz, hier heißt es Loslassen und Annehmen in Zuversicht. Dass es eine Auferstehung gibt.
Maria als Sterbebegleiterin. Ihres eigenen Kindes. Vorbild fürs Annehmenkönnen.

Ein kleines Bild mit großer Wirkung. Hoffnung im zärtlichen Abschiednehmen, Liebe bis zur letzten Sekunde. Hier hat der Tod keinen Stachel mehr. Und irgendwie erweckt der Stuhl die Assoziation eines Hauses. Im Hause unseres Schöpfers sind viele Wohnungen frei. Wir brauchen uns darüber keine Sorgen zu machen.

Der Grazer Dompfarrer Gottfried Lafer hat in einer Broschüre geschrieben: „Die Leechkirche möge für die Lehrenden und die Lernenden unserer hohen Schulen ein Ort sein, der aus einer langen Geschichte kommt und über die Gegenwart in die Zukunft weist, die nicht mit Jahren gemessen wird. Sie möge auch ein Zeichen sein, das einlädt, bei aller Anstrengung des Geistes nach Erkenntnis und Wahrheit zu suchen, die Sehnsucht des Menschen nicht zu übersehen, die über das Erfassbare hinausgreift. So möge die Leechkirche ein Ort sein, wo unsere Seele ausrasten und Heimat finden kann. Eintreten, inne halten und wieder ins Leben zurückkehren.“

Maria kann uns dabei sicher unterstützen.

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Helmut Loder
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