Seine Bilder sind spannend. Nicht schön. Will heißen: harmonisch, glatt, perfekt. Seine Bilder provozieren Widerspruch. Regen auf. Regen an. Fordern heraus. Sie machen vieles sichtbar, lassen anschaulich werden, was mitschwingt. In der Auseinandersetzung mit dem Thema. Im Künstler. Im Theologen. In Josef Lederer. Zuhause in Burgau, in der Oststeiermark. Theologe, Künstler und Biobauer. Hand- und Kopfarbeiter. Nach-denker.
Sein Bild: Maria begegnet Elisabeth. Aus dem Zyklus „Biblische Bilder“ (1999). Ästhetisch durchgestaltete Collagen. Schriftbilder. Seine Bilder sind spannend. Beziehen ihre Spannung aus dem vermeintlichen Gegensatz zwischen Bild und Schrift. Zwischen gestern und heute. Zwischen naiv und raffiniert. Sie sind „nicht so glatt-knallig wie bei Bettina Reims umstrittenem Zyklus I.N.R.I., sondern subtiler und nuancierter“ schreibt der Kunstkritiker Heribert Schwarzbauer.
Zwei Frauen sehen wir auf unserem Bild. In der Begegnung. Sie lachen und lächeln. Wer ist Maria? Sie trinken Kaffee. Haben einander anscheinend viel zu erzählen. Sie freuen sich. Worüber?
Ein schwarzer Rahmen begrenzt das Bild-Feld. Schlaggold als vieldeutiger (Hinter)Grund. Davor die beiden Frauen. Ein Foto. Vermutlich aus einer Zeitschrift. Aus einer Werbung. Ein Bild wie eine Ikone.
Der Hintergrund und die beiden feinen roten Kreise um die Köpfe der Frauen – Heiligenschein? – und der Titel „Ich krieg' ein Kind! Maria begegnet Elisabeth“ verändern das Bild. Lassen es kippen. Kein Alltagssujet mehr. Laden das Bild religiös auf. Ein Hinweis. Auf damals. Als Maria zu Elisabeth ging …
Josef Lederer holt die biblische Szene in unseren Alltag herein. Zeigt zwei schöne Frauen. Aus WOMAN oder der WIENERIN vielleicht.
Montiert und verfremdet. Ins Heute. Die Begegnung als Ausgangspunkt. Wie damals. Aber es sind Frauen unseres Umfelds. Aus den Medien, den Zeit-Schriften, Magazinen, … Ikonen der Gegenwart. Schlicht, aber wirkungsvoll. Spannend! Seine Bilder, seine Maria. Ein provokantes Spiel mit dem Motiv. Eine erfrischende Mischung von Anspielung und Anfrage. Und seine Antwort ist nie aufdringlich.
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Helmut Loder
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