Ein Foto von Maria. Von einer Statue in einer Kirche. Am Weg nach Santiago de Compostela. Ein europaweit bekanntes Wallfahrtsziel. Ein unbekannter Meister. In einer kleinen Kirche. Nicht die Kathedrale oder Basilika. Einfach eine schlichte Dorfkapelle. Am Weg. Maria am Weg. Dort steht sie oft. Am Wegrand. In einer geschützten Nische.
Menschen sind unterwegs. Auf Pilgerpfaden quer durch Europa. In den letzten Jahren ist Wallfahren, Pilgern wieder „in“. Und Maria sitzt entlang der Wege. Wartet, ist präsent. Unauffällig. Geduldig.
Die Statue hat etwas Majestätisches an sich. Königin Maria. Aufrecht sitzt sie da, fast hölzern. Das Kind vor sich auf dem Schoß. Die Hände vorgestreckt, als wollte sie manches entgegennehmen. Oder trug sie dereinst etwas in ihren Händen? Beide tragen eine Krone. Auffällig ist das überdimensional große Gesicht Mariens. Sehr offen, sehr klar. Freundlich reserviert. Ein wenig streng.
Maria am Wegrand. Menschen gehen vorbei. Bleiben stehen, schauen sie an.
Sprechen zu ihr. Erzählen vielleicht von ihrem Leben.
Regungslos hört sie zu. Geduldig.
Und manche entzünden eine Kerze.
Leuchten ihr ins Gesicht. Lassen es hell werden in ihrem Dunkel.
Maria auf dem Sockel in einer Nische am Wegrand.
Auf dem Weg nach Santiago de Compostela.
Und ich denke daran: Vor 2000 Jahren. Maria ist unterwegs.
Immer wieder. Unter harten Bedingungen.
Mit den Freundinnen und Freunden ihres Sohnes.
Hört, staunt und wartet. Auf ihn. Geduldig.
Und spürt: Gott ist bei mir. ER hat mich beschenkt.
Mit seiner Liebe. Mit diesem Sohn. Jesus Christus.
Maria am Wegrand. Nichts Spektakuläres.
Eine angenehm offene, freundliche Skulptur.
Aus längst vergangener Zeit.
In ihrem Schweigen trägt sie die Sorgen der Menschen.
Warte, Maria! Wart' auch auf mich.
Vielleicht komme ich schon demnächst vorbei …
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Helmut Loder
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